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Interview mit MissSuicide

VonChris

Jun 2, 2020
10 Fragen / 10 Antworten

1. Wann und warum seid ihr Musiker geworden? 

Musiker bin ich eigentlich schon seitdem ich denken kann, als ich klein war hatte ich
nur keine Instrumente zur Verfügung. Ich wollte immer Schlagzeuger werden und
habe 2009 auch ganz aktiv damit angefangen. Mitte 2010 habe ich meine erste
DAW bekommen und auch das Projekt MissSuicide gegründet. Das klang damals noch
sehr nach wirklich schlechtem Techno, ich habe den Sound den ich vor Augen hatte
nie hinbekommen. Von 2015 bis 2018 war ich dann Schlagzeuger in einer mittlerweile
aufgelösten Metal-Band, bis ich Mitte 2018 beschlossen habe MissSuicide ernsthaft in
Angriff zu nehmen. Warum ich Musiker geworden bin kann ich gar nicht so genau
beantworten. Meine Familie und Freunde sind alle sehr begeisterte Musikhörer
und ich wusste schon sehr früh, dass ich sowas mal selbst machen möchte. Ich glaube
wenn ich kein öffentliches Projekt hätte würde ich trotzdem für mich selbst Musik
machen.

2. Was sind eure Merkmale? Was macht euch speziell?

Das ist echt eine schwierige Frage. Ich denke schon dass ich ein wenig aus dem
ganzen Dark Electro / Industrial – Pool heraussteche. Das liegt in meinen Augen
einfach daran, dass ich immer die Musik machen wollte, die die meisten Leute
in den Clubs hören. Ich lege bei der Produktion meiner Songs allerdings nie
Wert auf Tanzbarkeit, bzw. ich achte nicht bewusst darauf. Mir ist es wichtig
einen guten Industrial-Electro-Song zu machen, bei dem der Fokus auf den
Melodien liegt. Bei einigen neuen Releases in der Szene merkt man, dass der
Fokus so sehr auf Tanzbarkeit liegt, dass die Melodie und die Musik an sich
vernachlässigt werden. Ich versuche auch ein bisschen das langsam aus der Mode
gekommene Vocal-Sample extrem in den Vordergrund zu stellen. Ich habe da ein
paar Songs, die ohne die Samples eine ganz andere Atmosphäre hätten.
Mir ist es sehr wichtig, dass auch über Jahre hinweg und
in verschiedenen Alben mit verschiedenem Sound trotzdem ein paar Dinge
vorhanden sind, bei denen jemand sagen kann: „Ah, das ist doch MissSuicide.“
Kurz gesagt: Ich denke MissSuicide macht wiedererkennbare
Musik für die Tanzfläche mit Fokus auf die Musik und nicht auf die Tanzfläche.

3. Wer und was hat euch inspiriert?

Was mich inspiriert hat, ist eigentlich schon am Namen ablesbar. Ich thematisiere
gerne Themen wie Selbstmord oder Terrorismus und lasse mich natürlich
davon auch inspirieren. Abgründe der menschlichen Psyche gibt es ja genug – und
faszinierend sind sie alle. Ich lese sehr gerne und lasse mich deswegen auch von
Lyrik inspirieren. Es gibt auch einige Personen die mich immer wieder faszinieren,
zum Beispiel Klaus Kinski oder Oskar Roehler. Die Liste ist wirklich lang und wird
stetig länger. Auf die eine oder andere Art werden meine Inspirationen aber auch
immer relativ direkt in einem Song verarbeitet, sei das nun als Sample oder als
Titel.

5. Wie stellt ihr euch das Hören eurer Musik vor? Wo hört ihr am liebsten??

So genau habe ich gar keine Vorstellung davon, wie jemand meine Musik hört. Wenn es ein paar Leute gibt, die meine CD im Regal oder meine Songs auf dem Handy haben,
dann finde ich den Gedanken schon extrem beeindruckend. Ich kann mir gut vorstellen, das meine Musik auf manch einer Party gut ankommen könnte. Ich persönlich höre eigentlich immer und überall Musik. Bei neuen Releases ist mir immer wichtig, dass ich es einmal komplett durchgehört habe, ohne dabei etwas anderes zu tun. Das ist bei meinen eigenen Veröffentlichungen auch ein wichtiges Kriterium: Wird es langweilig wenn man nichts dabei tut, oder ist der Song spannend genug? Es gibt genug Alben die man richtig gut beim aufräumen hören kann und die bei aktivem Zuhören total langweilig erscheinen. Unterm Strich freue ich mich über jeden Hörer den ich habe und hoffe dass jeder die Musik auf die für ihn beste Weise hören kann.

5.Wer sind eure wichtigsten Vorbilder und warum?​

Als erstes muss ich da tatsächlich Suicide Commando erwähnen. Als ich Hellraiser das erste Mal gehört habe, war das mein erster Kontakt mit dieser Musik. Ohne diesen Song würde ich heute vielleicht immer noch nur Metal hören. Ein großes Vorbild auf musikalischer Ebene ist aber :Wumpscut: für mich. Über so viele Jahre hinweg hat er tolle Musik gemacht ohne wirklich etwas daran zu verdienen, er hat so viele verschiedene Sounds gebracht und die Szene nachhaltig geprägt – ich denke ohne :W: wäre heute einiges anders. Auf außermusikalischer Ebene hat Marilyn Manson noch einen großen Einfluss auf mich gehabt. Das ist ein extrem außergewöhnlicher Mann.
Ich finde nicht alles gut was er so macht aber muss sagen dass er alleine in puncto Ästhetik ein Vorbild für mich war und immer noch ist.

6. Welche Rolle spielen die sozialen Medien für eure Karriere? Wie wichtig ist z. B. YouTube oder Instagram für euch?

Social Media ist ein ziemlich wichtiger Bestandteil des Marketings rund um MissSuicide. Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der man noch Interviews in Printmedien lesen musste um etwas über Künstler zu erfahren und streng genommen finde ich es auch gut wenn man nicht den gesamten Tag eines Künstlers kennt. Leider ist es heutzutage unabdinglich aktiv im Internet zu sein. Gerade als Newcomer oder kleine Band (wie ich) wird man sonst recht schnell wieder vergessen oder geht in der unglaublichen Masse an guten Bands einfach unter. Ich finde es sehr schwierig genug zu posten, ohne die Fans zu übersättigen. Auf der anderen Seite ist Social Media sehr vorteilhaft um Kontakte mit z.B. anderen Bands zu knüpfen. Ich trenne dabei auch strikt mein Privatleben von der Musik, ich gebe also wenig über mich selbst bekannt und erzähle lieber etwas über die Entstehung von Songs, etc. Die verschiedenen Plattformen werden dazu auch mit verschiedenem Input gefüttert. Auf YouTube habe ich damals die Single-Auskopplungen veröffentlicht, mittlerweile habe ich zwei kleine Webserien auf YouTube. In Zukunft werden neben diesen Serien nur noch Musikvideos dort veröffentlicht. Instagram finde ich klasse für einen Blick hinter die Kulissen, während ich die meisten Ankündigungen auf Facebook mache. Man hat ja auch auf jeder Plattform andere Follower. Ohne Social Media wäre meine Musik sicherlich nicht so schnell verbreitet worden.

7. Macht Ihr eigentlich noch was neben der Musik?

Die Musik nimmt neben meinem Vollzeit-Job einen extrem großen Teil meiner Zeit ein, aber ich habe natürlich auch noch andere Interessen. Ich bin ein großer Cineast und gehe wirklich oft ins Kino, zudem interessiere ich mich sehr für Literatur und Lyrik. Das wahrscheinlich größte Hobby von mir ist allerdings vermutlich das Sammeln von Dingen – ob das nun Synthesizer, CDs, DVDs oder kleine Figuren sind – da verbringe ich hin und wieder gerne den ganzen Tag mit Recherchen.

8. Was war bis jetzt der beste Auftritt, den ihr erlebt habt?

Das war auf jeden Fall Digital Noise Pandemic! Es war mein erster Auftritt als MissSuicide – aus gegebenem Anlass zwar nur als Stream – aber das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Die Bands die vor und nach mir gespielt haben waren auch alle ziemlich klasse. Die Resonanz war ziemlich gut und ich hoffe bald mal ein „echtes“ Konzert zu spielen. Natürlich war ich super aufgeregt und hatte Sorge das die Kamera nicht funktioniert oder ich mittendrin keinen Sound mehr habe (letzteres ist tatsächlich auch mittendrin passiert) aber ich denke im Gesamtbild habe ich ein gutes Set gespielt und konnte vielleicht den ein oder anderen begeistern.

9. Wer sollte euch spielen, wenn euer Leben verfilmt wird?

Definitiv Tom Schilling. Er sieht zwar kein bisschen so aus wie ich, aber ich halte ihn für einen exzellenten Schauspieler. Er ist einer der besten und charismatischsten im deutschen Film. Ich denke zwar nicht dass mein Leben irgendwann verfilmt wird, aber wenn, dann wäre er die beste Wahl.

10. Letzte Frage: Was wünscht ihr euch für die nächsten 10 Jahre, was braucht ihr dafür?

Musikalisch habe ich eine Menge Pläne, von denen hoffentlich viele in den nächsten 10 Jahren realisierbar sind. Ansonsten würde ich gerne viele Liveshows spielen und mich mehr mit anderen Künstlern treffen und zusammenarbeiten. Ansonsten bin ich absolut zufrieden wie es gerade ist, ich habe viel Spaß bei all den Dingen und ich hoffe das meine Musik auch in Zukunft noch begeistern kann. Am wichtigsten ist aber gerade jetzt erstmal gesund zu bleiben und die Krise gut zu überstehen.

 
 
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